Polen - Religion



Die Religion in Polen hat einen sehr hohen Stellenwert. Die Mehrheit der Polen sind zwar Katholiken, doch es wäre falsch Polen ausschließlich mit dem römischen Katholizismus zu identifizieren. In großen Teilen des Landes wie etwa Ciesyzn (Teschen) leben Protestanten. Aber Tatsache ist natürlich auch, dass die katholische Kirche mit ihrer Religion eine charakteristische Rolle in der Politik in Polen spielt.

Wie in anderen katholisch geprägten Ländern, hat der Umstand, dass die Mehrheit der Bevölkerung katholisch ist, nach wie vor einen sehr großen Einfluss auf die moralischen Werte und das politische Leben. Als klassisches Beispiel kann man hier die endlosen Debatten zwischen Politik und Kirche über das Thema Abtreibung verfolgen. Religion drückt sich in Polen in einer tiefen Ehrfurcht vor religiösen Symbolen und Ritualen aus. Kruzifixe am Straßenrand und Altäre für Heilige oder die Jungfrau Maria tragen zum Charme der polnischen Landschaft bei und stehen als Sinnbild der katholischen Religion.

Seit Jahrhunderten pilgern die Gläubigen aus ganz Polen zum Gnadenbild der Schwarzen Madonna von Czestochowa. In guten polnischen Stuben nimmt das Porträt von Papst Benedikt XVI oder ein Marienbild allzeit einen Ehrenplatz ein. Eine weitere berühmte Wallfahrt führt orthodoxe Christen zum Heiligen Berg bei Grabarka, Auch Menschen anderer Religion wie Juden aus aller Welt besuchen Polen, im Gedenken an die Millionen, die hier unter der deutschen  Besatzung des Landes im Zweiten Weltkrieg beim Holocaust ums Leben kamen.

Die katholische Kirche tut sich in Polen noch schwer, der Religion die neue Freiheit zu gewähren. Noch ist „Polen = katholisch“ allgegenwärtig. Durch die Demokratie werden die katholische Kirche und ihre Religion gezwungen, ihre Rolle in der polnischen Gesellschaft zu überdenken. So wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als sich auf Dauer aus der Politik rauszuhalten, als Folge jener Verweltlichungsprozesse, die in einer demokratischen Gesellschaft unumgänglich ist.