Warschau - Geschichte



Während den Historikern der Ursprung von Warschau nicht ganz bekannt ist, besagt eine Legende, dass sie ihren Namen einem historischen Liebespaar, das an der Weichsel lebte verdankt. Die Verbindung seiner Namen Wars und Sawa soll der späteren Hauptstadt Polens den Namen gegeben haben. Einer anderen Legende zufolge sagte eine in der Weichsel schwimmende Meeresjungfrau masowischen Fischern, hier sollten sie eine Stadt gründen, denn diese würde unzerstörbar sein. Warschau erfüllt die Prophezeiung der Meeresjungfrau, denn seine Geschichte ist gekennzeichnet von Einfällen fremder Truppen, Okkupation, Aufständen, Zerstörung und Wiederaufbau.

Die heutige Altstadt entwickelte sich um die Residenz des masowischen Fürsten, die an der Stelle des späteren Königsschlosses im Jahre 1281 entstanden ist. Die Entwicklung der Stadt hing eng mit ihrer zentralen Lage an der Handelsroute vom Nahen Osten nach Europa und Skandinavien sowie der Lage zwischen den beiden Hauptstädten der polnisch-litauischen Union, Krakau und Wilnius, zusammen.

Zwischen 1655 und 1660 verwüstete die schwedische Invasion, in der Geschichte bekannt als „Potop“ (Flut) die Stadt, dezimierte die Bevölkerung und zerstörte viele Gebäude. Unter König Jan III. Sobieski, der ab 1674 regierte, folgte eine Periode höchster Blüte. So prägen heute verwinkelte Altstadtgassen, prächtige Schlösser, herrliche Parks und kunstvolle Adelspalais, wie die Sommerresidenz des Herrschers in Wilanow ebenso das Bild der Stadt, wie Plattenbauten, weitläufige Plätze und Gebäude im Stil der Stalinära.

Im dreißigjährigen Krieg wurde Warschau zum ersten Mal zerstört, konnte aber bereits im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut werden. Dies erfolgte unter dem Regime von August dem Starken in den Jahren 1697-1733. In der Periode der Aufklärung und in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. entwickelten sich Kultur und Handel sehr rasch.

Die erste europäische Verfassung wurde am 3. Mai 1791 in Warschau verabschiedet. 1772 erfolgte die erste Teilung Polens, im Jahr 1793 die zweite und 1795 die dritte. Preußen, Russland und Österreich-Ungarn teilten das Land untereinander auf. Als Warschau zur Zeit der Teilungen zunächst Preußen, später als Hauptstadt Kongresspolens Russland unterstand, bildete sich hier das Zentrum der nationalen Befreiungsbewegungen. Die Jahre 1830 und 1863/64 gingen als die Jahre der bedeutendsten Aufstände in die Geschichte ein.

Die schwerste Zeit erlebte Warschau im Zweiten Weltkrieg, in dem mehr als 700 000 Bewohner ihr Leben verloren. Im Warschauer Aufstand 1944 wurde als Gegenmaßnahme von der SS Sprengungen durchgeführt, die die Stadt vollständig zerstörte. Ganz besonders hiervon betroffen, war die Altstadt, wo sich viele Paläste, Kirchen und Bürgerhäuser befanden. Aber der Neuaufbau von Warschau ließ die Stadt sehr schnell wieder zu ihrem ursprünglichen Glanz erwachen.

Nachdem Deutschland kapituliert hatte und das Kriegsende kam, fiel Polen zunächst einmal unter kommunistische Herrschaft. Ironischer Weise ließen die Kommunisten die Villen und Mietshäuser aus dem 19.Jh., die die Nazizeit überstanden hatten, sprengen, um dieses Gebiet in ein Schauspiel der Sozialistischen- Realistischen Architektur zu verwandeln. Spuren des Krieges sind an zahlreichen Stellen der Stadt präsent. An den Hauswänden wurden Tafeln angebracht, die darüber informieren, wie viele Polen dort von den Nazis ermordet wurden. Davor niedergelegte Blumen und stets brennende Lichter zeigen, dass die Opfer im Bewusstsein der Bevölkerung lebendig bleiben.